FAQ – Sexualität

Dies ist eine sehr häufige Frage, nicht nur von Krebsbetroffenen. Interessant ist, dass wir bei der Frage nach Lust auf Sex, davon ausgehen, dass diese irgendwie einfach so kommen sollte, wie Hunger oder Durst. Dies ist aber nicht so! Wir fragen uns nicht, warum wir zum Beispiel mehr Lust auf Schokolade als auf eine Karotte haben. Denn bei jeder Form der Lust muss gefragt werden, worauf habe ich Lust? Wenn ich also Schmerzen hatte beim Sex oder der Sex aus welchem Grund auch immer alles andere als schön war, ich mich vielleicht gerade mit meinem Partner*in nicht verstehe, dann habe ich verständlicherweise keine Lust dies nochmal zu erleben oder ihm/ihr nah zu sein. Besonders wenn ich gerade andere Sorgen habe oder mich nicht gut fühle, mich unter Druck gesetzt fühle weil mein Partner*in vor allem endlich mal wieder Sex haben will, ist es nachvollziehbar, dass der Körper darauf keine Lust hat. Daher ist die Frage, die du dir stellen solltest, was wäre der Sex, der es wert wäre gewollt zu werden? Worauf hast du Lust? Vielleicht nicht auf das Gleiche wie dein Partner*in? Oder eben kein Sex sondern eher körperliche Nähe, Streicheln, Küssen..ohne dann automatisch auch Sex zu haben am Ende? Häufig ist es aber so, dass wir bereits den ersten Körperkontakt meiden, weil wir wissen, dass es dann wieder mit Sex enden wird oder dies erwartet wird, den wir aber nicht möchten. Dabei wäre es vielleicht gerade die «harmlose» körperliche Nähe, die wir brauchen und auf die wir eigentlich auch Lust haben. Daher horcht in Euch hinein und schaut was ihr braucht und vor allem redet mit Eurem Partner*in über das was ihr braucht und wollt. So gelingt es langsam wieder eine Sexualität aufzubauen, die ihr geniessen könnt und auf die ihr dann auch Lust haben werdet. Aber auch dies hört sich vielleicht einfach an und kann schwierig sein. Jede*r ist anders, hat andere Bedürfnisse, Ängste, Sorgen und auch eine andere Geschichte. Daher sind wir da, um dies zusammen mit Euch anzuschauen. Auch ein Hormonmangel kann zu einer Abnahme der Lust führen und sollte mit Eurem Arzt*in besprochen werden.

«normal» ist es sicher nicht Schmerzen beim Geschlechtsverkehr zu haben, denn das würde ja bedeuten, dass es immer so ist und Du einfach damit leben musst. ABER es ist leider häufig, vor allem am Anfang, wenn die Sexualität noch entdeckt wird oder auch im weiteren Verlauf, wenn die Scheide sich verändert hat und trocken ist oder lange kein Geschlechtsverkehr stattgefunden hat usw. Um keine Schmerzen zu haben, muss sich das Becken entspannen können, um die Scheide zu weiten und ein Feuchtwerden zu ermöglichen. Aber dies kann gar nicht so einfach sein, vor allem wenn Ängste da sind, vor Schmerzen, die vielleicht schon einmal erlebt wurden, vor einem Versagen dem Anderen nicht zu gefallen, vor dem wie es ist nach langer Zeit ohne Geschlechtsverkehr oder nach einer Chemotherapie usw. Um den Geschlechtsverkehr entspannt geniessen zu können, braucht es Vertrauen in sich und seinen Partner und die Möglichkeit sich unbeschwert darauf einlassen zu können. Und dies ist einfach gesagt, aber verdammt schwierig. Daher ist es wichtig sich zu fragen, was brauche ich dazu, um mich fallen lassen zu können? Vor allem offenes Reden mit dem Partner ist wichtig, über die Ängste und auch was Du magst und was nicht. Bestimme selbst dein Tempo und überfordere dich nicht. Es braucht Zeit und Geduld, um Herauszufinden, was Du magst und brauchst. Dabei gibt es kein «normal», sondern nur Deinen ganz eigenen Weg.

Der Grund warum die Scheide trocken sein kann ist einmal, dass der Beckenboden angespannt ist und so die Durchblutung vermindert ist. Das Feuchtwerden ist wie Schwitzen, es braucht eine starke Durchblutung damit Sekret durch die Scheidenwand gepresst werden kann. Die Durchblutung wird gesteigert durch eine Erregung, also eine gefühlte Lust auf Sex quasi. Auch Bewegung des Beckens fördern die Durchblutung. Dies braucht aber unterschiedlich Zeit und manchmal hat man das Gefühl schon «bereit zu sein für das Eindringen des Penis» aber dies sagt der Kopf, und das Becken ist es noch nicht. Dann ist es wichtig innezuhalten und sich Zeit zu nehmen, bis auch das Becken soweit ist. Wenn aber eine Angst da ist, vor Schmerzen oder Unsicherheit ob es denn auch gut werden wird und auch dem anderen gefällt und so weiter, dann verkrampft sich das Becken, ob Du dies möchtest oder nicht. Und dann lässt die Durchblutung nach und auch der Scheideneingang verengt sich. Ein anderer Grund kann ein Hormonmangel sein, der die Scheidenschleimhaut austrocknet, ähnlich wie eine trockene Haut. Dies ist vor allem der Fall, wenn die Eierstöcke keine Hormone produzieren zum Beispiel während oder auch kurz nach einer Chemotherapie. Auch wenn eine Hormonersatztherapie genommen wird, kann dies im Bereich der Scheide trotzdem zu wenig sein. Daher kann es manchmal sinnvoll sein mit einer Creme oder Zäpfchen, die in die Scheide eingeführt werden, die Schleimhaut zu stärken. Auch Gleitmittel können helfen, das Eindringen zu erleichtern. Aber dennoch braucht es eine Entspannung des Beckenbodens damit dann danach die Feuchtigkeit weiter gesteigert wird. Daher ist es wichtig, dies mit deiner Ärztin anzuschauen, was es braucht und was vor allem Du in Deiner Situation brauchst. Sicher ist, es gibt eine Lösung, die jedoch von Person zu Person unterschiedlich sein kann! Daher traue Dich das Thema anzusprechen und gebe nicht auf!

Es ist durchaus möglich während der Chemotherapie Sex zu haben. Jedoch muss dies mit Deinem Arzt*in besprochen werden. Denn beim Sex kann es zu kleinen Verletzungen der Schleimhäute oder auch der Haut am Penis kommen und dies kann unter Umständen zu Entzündungen oder Blutungen führen. Aber das ist sehr unterschiedlich und sollte daher mit dem Arzt*in abgesprochen werden. Wichtig ist, dass bei einer Scheidentrockenheit zum Beispiel geschaut wird, ob eine Hormoncreme hilfreich sein kann und auch Gleitgel, um ein möglichst sanftes Gleiten des Penis zu ermöglichen und Verletzungen zu vermeiden. Zudem ist die Nutzung eines Kondoms wichtig, nicht nur um Verletzungen der Penishaut zu vermindern, sondern auch um den Partner vor dem Kontakt mit den Chemotherapeutika in deinem Blut und Schleimhäuten zu verhindern. Ausserdem ist es wichtig zu verhüten, denn eine Schwangerschaft sollte unbedingt verhindert werden in dieser Zeit und auch mindestens 6 Monate nach Ende der Therapie.

Um eine Erektion zu bekommen braucht es eine gewisse genitale Reife, die vor allem durch die Testosteronausschüttung gesteuert wird und in der Pubertät häufig spontan kommt. Die häufig morgendliche Erektion ist daher eine natürliche Reaktion des Körpers. Wenn jedoch das Testosteron sinkt, während der Chemotherapie und auch teilweise danach, können diese spontanen Erektionen abnehmen oder ausbleiben. Anders ist es, wenn eine Erektion quasi gewünscht wird, weil Du Geschlechtsverkehr haben möchtest. Auch wenn du erregt bist, also der Wunsch nach Intimität und mehr besteht, kann der Penis dies aber anders sehen. Eine Erektion ist ein Reflex der automatisch entsteht bei intimen Berührungen und / oder Gedanken, aber er kann auch unterdrückt und quasi kontrolliert werden. Wenn also der Kopf übernimmt und beschliesst, dass es gerade keine gute Idee ist Sex zu haben, kann die Erektion ausbleiben oder auch wieder verschwinden. Dies ist nicht bewusst, sondern sogar sehr häufig unbewusst. Wenn beispielsweise eine Angst besteht, «wieder zu versagen» oder Druck aufgebaut wird, endlich wieder Sex haben zu müssen und so weiter. Dann wird die Spannung im Becken weniger und das Blut fliesst aus den Schwellkörpern wieder ab und der Penis erschlafft. Eine Erektion ist also auch Kopfsache. Aber nicht nur. Es ist individuell unterschiedlich wie lange eine Erektion gehalten werden kann und dies wird auch beeinflusst davon wie gut es Dir insgesamt geht, ob Du müde oder geschwächt bist oder mit Schmerzen zu kämpfen hast usw. Daher ist es wichtig zu überlegen, was der Kopf vielleicht für einen Grund hat keinen Sex zu wollen und was Du brauchst, um dies wieder zulassen zu können. Vor allem, wenn Du ein sehr aktives Sexleben vor der Erkrankung hattest und es sehr einfach war eine Erektion zu bekommen und zu halten, ist doch viel passiert und der ganze Körper hat sich verändert und muss sich erst einmal wieder erholen und zu sich finden. Das braucht Zeit und Geduld! Daher überfordere Dich nicht, gehe es langsam an und versuche langsam wieder in eine Intimität zurückzufinden durch erst einmal Berührungen zu geniessen ohne den Druck aufzubauen unbedingt Sex haben zu müssen. Es gibt kein Medikament, dass Dir eine Erektion gibt, sondern diese muss «spontan» entstehen und kann dann ggf verlängert werden. Wenn also das Hauptproblem ist, dass die Erektion rasch nachlässt können auch Medikamente helfen, diese zu verlängern. Aber alle Medikamente können Nebenwirkungen haben und daher muss das Risiko für Dich unbedingt vorher mit Deinem Arzt besprochen werden.

Auch das ist eine sehr häufige und genauso schwierige Frage. Denn es gibt keine einfache Antwort und vor allem ist die für jeden*e unterschiedlich, da wir alle unterschiedliche Vorgeschichten, Wünsche, Ängste und Erfahrungen haben. Es ist insgesamt nicht einfach sich jemand anderen zu öffnen und nackt zu zeigen, da wir den Schutz fallen lassen und potentiell Gefahr laufen abgelehnt zu werden. Daher ist es umso wichtiger zuerst zu versuchen Dich selbst anzunehmen und Frieden zu schliessen mit all den Veränderungen die weder gewollt noch vielleicht besonders schön sind. Einfach gesagt, und doch so unheimlich schwer. Aber wir sind nun mal so wie wir sind und nicht perfekt, das gilt für alle, auch für dein Gegenüber der oder die vielleicht ähnliche Sorgen hat. Dennoch ist es so schwer gerade Veränderungen oder Narben zu akzeptieren, die vorher nicht da waren. Das ist völlig normal und braucht Zeit! Nehme Dir diese Zeit und überfordere Dich nicht, weil Du das Gefühl hast nun doch endlich dem anderen mehr geben zu müssen, als nur Berührungen. Oft hat auch Dein Gegenüber Angst Dich zu enttäuschen oder weh zu tun und meidet vielleicht sogar den intimen Kontakt, da er/sie Dich nicht überfordern will. Das heisst nicht, dass er/sie Dich nicht mag oder attraktiv findet, sondern Dich häufig schützen will. Daher ist es mindestens genauso wichtig darüber mit Deinem*er Partner*in zu reden, warum Du Angst hast, und auch er/sie, und auch was Du brauchst um Dich wohl zu fühlen. Gerade weil der Weg nicht einfach ist, sind wir da um Dich auf diesen Weg zu begleiten und zu unterstützen. Traue Dich darüber zu reden, auch wenn es schwerfällt. Denn eins ist sicher, Du bist nicht allein und Deine Sorgen sind nicht albern oder Luxus, sondern wichtig gehört und ernstgenommen zu werden.

Erstens, es ist sehr unterschiedlich, wann wir uns bereit fühlen unsere Sexualität zu entdecken und zu teilen. Dabei gibt es kein «normal», kein zu früh oder zu spät! Es kann sogar sein, dass Du Dich entscheidest, dass Sex nicht Dein Ding ist und Du lieber ohne körperlichen Kontakt durchs Leben gehen möchtest. Auch das ist völlig in Ordnung, solange es Dir dabei gut geht! Jeder hat sein eigenes Tempo, Bedürfnisse und Wünsche und das ist auch gut so! Daher ist der Vergleich mit anderen immer schwierig und dennoch entsteht ein Druck, da wir so sein wollen wie andere, normal und gemocht…. Die Frage ist nur zu welchem Preis und ist es wert ihn zu zahlen? Wenn es Dir Angst macht, heisst es daher nicht auch, dass es durchaus einen Grund gibt, warum Du noch nicht soweit bist? Es hat sich so viel verändert und Du hast soviel durchgestanden und warst mit so vielen anderen wichtigen Sorgen beschäftigt, in einer Zeit, in der alle anderen vielleicht unbeschwerter durchs Leben gehen konnten. Daher sind andere vielleicht auf einem anderen Weg unterwegs gewesen, mit anderen Hürden und Erfahrungen, die man nicht vergleichen kann. Daher ist es nicht möglich plötzlich wieder auf diesen Weg abzubiegen, es gibt keine Abkürzung, sondern Du muss Deinen Weg gehen, der mit einigen Umwegen schneller oder langsamer vielleicht wieder dorthin führt. Aber vergiss nicht, dies braucht Zeit und daher ist es auch verständlich, dass eine Abkürzung nicht nur Angst macht, sondern auch bedeutet, dass Du all die Erfahrungen, die den anderen geholfen haben dahin zu gelangen, fehlen. Daher lass Dir Zeit, höre auf Dich und was Du brauchst und willst. Dann wirst auch Du Deinen ganz eigenen Weg finden, der vielleicht länger oder holpriger ist, aber nicht weniger schön sein muss am Ende.

Keine Antwort gefunden?

    Stelle Deine persönliche Frage: